Das Bahnhofsgebäude in Klingenthal wurde im Jahre 1886 eingeweiht. Es wurde gemeinsam von der Buschterader Eisenbahn (Österreich-Ungarn) und der Sächsischen Eisenbahn als Grenzbahnhof errichtet und genutzt. Die Bahnlinie Graslitz – Klingenthal wurde am 1. Oktober 1886 eröffnet. Neben den Räumen für die Bahngesellschaften waren auch die Zollverwaltung und zahlreiche Dienstwohnungen in dem 120 Meter langen Gebäude untergebracht.
Durch die Umstrukturierung des Bahnverkehrs wurde nach der Wende der Personenverkehr durch die Vogtlandbahn über die ÖPNV-Schnittstelle bedient. Der Güterverkehr wurde 1994 eingestellt. Seither wird das Bahnhofsgebäude nicht mehr wirtschaftlich genutzt und die Mieter sind ausgezogen.
Da man sich in der Stadtverwaltung und im Stadtrat von Klingenthal der historischen Bedeutung dieses Gebäudes für die Region bewusst ist, wurde natürlich versucht, dieses zu erhalten. Es wurden verschiedene Nutzungsmöglichkeiten in Betracht gezogen.
Ein Gedanke war, die Dienststellen des BGS (heute Bundespolizei) und der Zollverwaltung im Gebäude anzusiedeln. Es wurden auch Gespräche geführt, ein internationales Arbeitsamt im Bahnhof einzurichten. Man beschäftigte sich intensiv mit der Idee, Flächen für Verkaufs- und Gemeinbedarfseinrichtungen zu gestalten. Leider scheiterten all diese für die Erhaltung des Objektes getroffenen Überlegungen an der Struktur und dem Zustand des Gebäudes und der verfügbaren Grundstücksfläche.
Im Jahr 2008 kaufte die Stadt Klingenthal das Bahnhofsgrundstück, welches mit der Grundfläche des Gebäudes identisch ist, von der Deutschen Bahn AG.
2009 erfolgte die Freistellung des Objektes von Bahnbetriebszwecken.
Nach dem alle Bemühungen, eine Nutzungsmöglichkeit für den Bahnhof zu finden, scheiterten, blieb als letzter Ausweg nur noch der Abbruch, um die Schnittstelle ÖPNV und SPNV aufzuwerten, Gefahren zu vermeiden und das Stadtbild optisch zu verbessern.
Um den Abbruch vorzubereiten, wurde vom Denkmalschutz eine umfangreiche Dokumentation gefordert. Diese wurde von der Stadtverwaltung Klingenthal in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn AG vorbereitet und realisiert.
Es bestanden nun keine Hinderungsgründe für den Abbruch.
Geplant ist, dass hier eine große Grünfläche entsteht und straßenbegleitend zur Bahnhofstraße Stellplätze für Busse und Pkw geschaffen werden. Die Einrichtung weiterer Busabfahrtsstellen ist möglich.
Der Abbruch wurde am 27. Mai 2009 vom Stadtrat beschlossen.
Die Kosten für die Maßnahme betragen 364 194,67 Euro, davon werden von der EU aus dem Brachflächenrevitalisierungsprogramm 273.146,00 Euro und vom Freistaat Sachsen 54.629,20 Euro zur Verfügung gestellt. Der Eigenanteil der Stadt Klingenthal beträgt 36.419,47 Euro. Die ursprünglich angedachten Kostenbeteiligung durch den ÖPNV wurde vom Freistaat übernommen.
Am 21. Juli wurde der Fördermittelbescheid von Herrn Michael Köppl, Referatsleiter Städtebau- und EU-Förderung im SMI, an Bürgermeister Enrico Bräunig im Beisein von Jürgen Petzold, Mitglied des Sächsischen Landtages, den Stadträten Peter Vodel und Andreas Günnel sowie Bauamtsleiter Jürgen Leonhardt übergeben.
Im Stadtrat und in der Stadtverwaltung sieht man dies mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
Es herrscht Freude über die Bereitstellung der Mittel, um dieses ungenutzte Gebäude, welches letztlich auch ein Sicherheitsproblem darstellt, abbrechen zu können. Gleichzeitig ist man sich aber auch bewusst, dass damit wieder ein für Klingenthal bedeutendes und prägendes Gebäude unwiederbringlich verschwindet.
Die Abbrucharbeiten haben am 19. September 2011 begonnen.
