Wirtschaftsfaktoren
Harmonikaspieler am Klingenthaler Marktplatz
© Thomas Lenk

Wirtschaftsfaktoren

Klingenthal – Historisch gewachsener Standort

Seine Entstehung vor ca. 500 Jahren verdankt Klingenthal dem Erzreichtum der oberen Lagen des Erzgebirges und des Vogtlandes. Das Gebiet um den Aschberg wurde dabei ob seiner unwirtlichen Wälder verhältnismäßig spät besiedelt. Der Waldreichtum war es aber auch, der dann die Besiedlung voran trieb, wurde doch mit Holzkohle das Metall aus dem Erze geschmolzen und weiter verarbeitet. Hilfreich waren dabei auch die gefällestarken Gebirgsbäche, wie die ersten urkundlichen Erwähnungen von Eisenhämmern, Erzgruben, Hochöfen und Frischhütten berichten. Noch heute zeugen zahlreiche Pingen von dieser frühen Form des Bergbaus.
Bedingt durch den Dreißigjährigen Krieg mussten die Protestanten durch die Reformationspatente 1624 und 1627 das benachbarte Böhmen verlassen. Diese Exulanten brachten den Musikinstrumentenbau, vorerst den Geigenbau, in das Tal an der Zwota. Waren dies am Anfang nur wenige, so ernährte der Musikinstrumentenbau, nicht zuletzt durch die sinkenden Erträge aus Bergbau und Hüttenwesen, zunehmend mehr Einwohner: als Bogen- und Saitenmacher, Holzblasinstrumentenbauer (damals Pfeiffenmacher genannt) und Blechblasinstrumentenmacher. Anfang des 20. Jahrhunderts kamen dann die Herstellung von Akkordeons, Hand- und Mundharmonikas hinzu. In der Produktion dieser Instrumente erlangte der Name Klingenthal Bekanntheit in aller Welt.
Darüber hinaus machte sich Klingenthal, nicht zuletzt aufgrund der Erfolge seiner Sportler, als Wintersportidylle einen Namen. In manchen Jahren wurden Sonderzüge aus Leipzig, Zwickau und Chemnitz eingesetzt, um Skifahrer in die Winterlandschaft zu befördern. Sehr schnell etablierte sich der Leistungssport im Klingenthaler Raum und auch der Volkssport fand hervorragende Bedingungen vor. Veranstaltungen wie Weltcupspringen, Damenskirennen, DDR-Meisterschaften und der Kammlauf zogen zum Teil mehrere Zehntausend Zuschauer und Teilnehmer an.
Mit der deutschen Einheit brach die Massenproduktion von Musikinstrumenten fast vollständig zusammen. Derzeit profiliert sich die Herstellung zum einen in der Entwicklung hochwertiger Solisteninstrumente als auch Schülerinstrumente in höheren Stückzahlen. Der Wintersport findet auch wieder den Weg in die Weltspitze. Nach dem Abriss der Aschbergschanze und den Schwierigkeiten, sich in einem festgefügten bundesdeutschen Sportveranstaltungskalender zu etablieren, ist Klingenthal auf dem Weg, die Weltgeltung zurück zu erlangen.

Klingenthal – das Tor zu Tschechien

Durch die EU-Osterweiterung gelangt die Region von einer jahrzehntelangen Randlage direkt ins Zentrum Europas.
Bereits am 30.06.1991 wurde der Grenzübergang nach Tschechien für Fußgänger eröffnet, einige Jahre später ein weiterer im Aschberggebiet. Nun wird im Herbst 2001 die seit einem halben Jahrhundert  geschlossene Grenze auch für Fahrzeuge wieder passierbar.
Damit wird Klingenthal die unmittelbare Schnittstelle zu einem neuen Markt. Rund 68.000 Haushalte befinden sich in 50 Kilometer Entfernung vom Grenzübergang. Ein Potential sowohl als Absatzmarkt als auch als nahegelegene Ressource für arbeitsintensive Produktion.

Jenseits der Grenze beherrschte viele Jahre, ebenso wie hier, sowohl die Musikinstrumentenherstellung als auch die Textilindustrie die Wirtschaft. Auch auf böhmischer Seite findet man noch heute viele sehr gut ausgebildete Facharbeiter. Nicht wenige Betriebe, vor allem der Plauener-Spitzen-Herstellung machen sich dieses zu nutze. Während Konfektion, weltweite Aquise, Marketing und Vertrieb von Deutschland aus betrieben werden, wurde vielfach die lohnintensive Produktion ins nahe Tschechien verlegt. Ein Konzept mit Zukunft, schließlich sind die Wege kurz und Probleme schnell behoben. Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Vorteil ist die heute noch weit verbreitete Kenntnis der deutschen Sprache auf böhmischer Seite. Das erlaubt häufig eine rasche Einarbeitung der Mitarbeiter und eine unkomplizierte Kommunikation.
Darüber hinaus werden Grenznähe und EU-Beitritt schon in absehbarer Zeit das Einkommensniveau auf tschechischer Seite spürbar anheben. Das wird selbstverständlich positive Auswirkungen auf die deutschen Händler und Dienstleistungssektor haben. Schon heute kaufen fast alle Tschechischen Haushalte regelmäßig in Deutschland ein.

Klingenthal – Zentrum des Tourismus

Gemessen an seinen Einwohnern hat der Großraum des Oberen Vogtlandes eine ausgesprochen hohe Tourismusintensität. Erwähnenswert ist dabei die Vielfalt des Angebotes in unmittelbarer Nähe, nicht mehr als 45 Autominuten entfernt.
Die Sächsischen Staatsbäder Bad Elster und Bad Brambach mit ihren heilsamen Quellen, Thermalbädern, Heileinrichtungen, Kolonnaden und ausgedehnten Parkanlagen laden zu jeder Jahreszeit zu einem Besuch ein.
Großartige bautechnische Sehenswürdigkeiten, allen voran die Göltzschtalbrücke und ihre „kleineren Schwestern“, Aussichtstürme in den verschiedensten Bauarten und -stilen, Schlösser, Burgen, Klöster bis hin zu Schwedenschanzen sind zu bestaunen.
(Freilicht)-Museen über Land und Leben, Musikinstrumente, der Freizeitpark, Schaubergwerk, Torfmoore und vieles mehr laden zum Besuch ein.
Die böhmischen Bäder Karlsbad, Franzensbad und Marienbad mit ihrer jahrhundertealten Bäderarchitektur sind in kurzer Zeit zu erreichen.
Mitten in einer interessanten Region, und doch in beschaulicher Ruhe, liegt Klingenthal. Die Stadt ist ein idealer Ausgangspunkt für aktive, selbstbestimmte und vielseitig interessierte Urlauber von 25 bis 125. Durch die Verbindung von lokaler Ruhe mit schnell erreichbaren Tageszielen ist Klingenthal ideal für Kurztrips bis zehn Tagen für junge Familien und aktive, vielfältig interessierte Junggebliebene geeignet.
Ein weiterer Pluspunkt sind die vielfältigen Veranstaltungen im näheren Umkreis: Das Jahr beginnt regelmäßig mit diversen wintersportlichen Veranstaltungen im Spitzen- und Volkssportbereich; Weltcups, Sachsen- und Deutsche Meisterschaften und vieles mehr stehen Woche für Woche auf dem Kalender. Bei normalem Winterwetter sind das ca. 20-30 Veranstaltung pro Saison. In den letzten Jahren war es jedoch oft so, daß im Aschberggebiet zusätzliche Wettkämpfe ausgetragen wurden, die anderswo aufgrund Schneemangels abgesagt werden mußten. So betreute allein der VSC knapp 50 Winterportveranstaltungen in einer Wintersaison! Kein Wunder also, dass Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen in den Schneemonaten sehr gute Auslastungen zu verzeichnen haben.
Auch für Sommerreisende ist das Aschberger Land ein lohnenswertes Ziel. Die Wanderwege sind gut markiert, die zertifizierten Wanderwege Vogtland-Panorama-Weg® und der Höhensteig landen in die Natur ein. Über den ganzen Sommer hinweg finden Musikveranstaltungen statt, von den Pavillonkonzerten der einheimischen Klangkörper am Marktplatz bis hin zu ausgesprochenen Highlights, wie den Internationalen Akkordeonwettbewerben im Mai und Mundharmonika-Live im September.

 
 
 
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