Folge 10
Die Schlossmeinel-Fabrik, welche 1896-97 erbaut wurde, galt damals als eine der modernsten Produktionsstätten überhaupt. In seinen Räumen wurde wohl auch das HUGO RAUNER -Akkordeon des schwedischen ABBA Stars gefertigt. 2009/10 fiel das Gebäude dem Abriss zum Opfer. (Foto: Dieter Meinel)

Folge 10

ABBA und Akkordeons aus Klingenthal

Wer hätte das gedacht: ABBA-Mitglied Göran Bror Andersson, genannt Benny entdeckte seine Liebe zur Musik durch ein Akkordeon aus Klingenthal!

Während eines Besuchs im ABBA – Museum in Schwedens Hauptstadt Stockholm hatte Familie Ebers aus Klingenthal vor einiger Zeit eine Vitrine entdeckt, in dem ein kleines Akkordeon aus den 1930er Jahren mit der Aufschrift „HUGO RAUNER“ steht. Dahinter ist das Foto von Benny Andersson mit dem Instrument zu sehen. „ Ich habe es im Alter von sechs Jahren ( 1952) von meinem Vater und Großvater geschenkt bekommen, beide haben es vor mir schon gespielt“, hat der ABBA-Star nun persönlich die Frage nach der Herkunft des Akkordeons beantwortet. Das ABBA Museum hatte die Anfrage des Musik- und Wintersportmuseums Klingenthal direkt an den weltbekannten Star weitergeleitet.

Die Firma Hugo Rauner entstammt im Ursprung der Firma F.A. Rauner. Hugo Rauner hatte sich nach familiären Streitigkeiten selbstständig machen wollen und dabei kam ihm im Jahr 1935 entgegen, dass in den Firmenräumen von C. H. Meinel – Schlossmeinel Räumlichkeiten zu vermieten waren. Angesichts einer schweren Krankheit und einer bevorstehenden Operation sah sich der damalige Eigentümer Fritz Curt Meinel dazu veranlasst, sich vorübergehend zurückzuziehen und Hugo Rauner die Produktionsräume zu überlassen. Fortan entstanden dort Akkordeons mit jenem Namenszug, der auch auf dem Instrument von Benny Andersson deutlich zu lesen ist: HUGO RAUNER. Neben Akkordeons produzierte die Firma auch Mundharmonikas. 1957 verließ Hugo Rauner die DDR und versuchte in Nauheim einen Neuanfang. Laut Recherchen des Deutschen Harmonikamuseums Trossingen begann Hugo Rauner als Stimmer bei der Firma Köstler, doch existieren auch Mundharmonikas mit der Prägung „Hugo Rauner – now in Western Germany“. Rauner hatte wohl versucht, eine neue Firma zu gründen und dabei den guten Ruf seines Namenszuges weiter nutzen wollen. Das aber hatte die inzwischen mit staatlicher Beteiligung gegründete „Schlossmeinel – Hugo-Rauner KG“ wohl zum Anlass genommen, sich im Jahr 1959 die Rechte am Schriftzug „Hugo Rauner“ zu sichern, wie aus Unterlagen im Musik- und Wintersportmuseum Klingenthal hervorgeht. Das Markenrecht blieb bis 1986 gültig. Doch die Akkordeonproduktion wurde durch staatlich verordnete Umstrukturierungen bereits in den 1960er Jahren eingestellt, später Metallwaren, insbesondere Raumschmuckteile produziert. In den 1970er Jahren war der Betrieb vollständig verstaatlicht worden.

Zu jener Zeit hatte Benny Andersson längst neue Akkordeons. Die erfolgreichste Musikgruppe aller Zeiten trat damals mit Akkordeons der Marke WELTMEISTER der VEB Klingenthaler Harmonikawerke auf. Passend zum Outfit spielte der musikalische Schwede mal Instrumente mit rotem, weißem oder auch blauem Perloid-Überzug. Ob HUGO RAUNER oder WELTMEISTER… so haben auch Klingenthaler Instrumente ihren Anteil an der Geschichte ABBA, der erfolgreichsten Musikgruppe aller Zeiten. (XB)

Hugo Rauner
Das in Klingenthal hergestellte Akkordeon der Marke HUGO RAUNER von Benny Andersson ist im ABBA-Museum Stockholm ausgestellt.  (Foto Familie Ebers)

Akkordeon Miranda
Im Harmonikamuseum Zwota gehört ein Nachkriegsmodell zur ständigen Ausstellung, welches dann mit dem Markennamen „Miranda“ versehen war. Ob es noch zu Zeiten von Hugo Rauner als Firmeninhaber gefertigt wurde ist ungewiss. (Foto: XB)

Benny
Als ABBA-Star trat Benny Andersson mit WELTMEISTER-Akkordeons aus Klingenthal auf. (Archiv: ABBA Museum)



 

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